Bilder vom Meer im Kopf

Der namhafte Maler Michael Hegewald stellt im Alten Rathaus aus

Bilder vom Meer im Kopf

Wen es in diesen Tagen in das Alte Rathaus Marzahn verschlägt, der kommt an den Bildern von Michael Hegewald nicht vorbei. Überall an den Wänden hängen Zeichnungen und Ölgemälde des bekannten Berliner Künstlers. Die zwischen 1991 und 2017 entstandenen Werke bilden das Herzstück der noch bis 27. April laufenden Ausstellung „ereignis horizont“. 

 

Nicht wenige der Bilder nehmen den Betrachter mit auf einen Ausflug ans Meer. Doch wer azurblaues Wasser, gelbe Sandstrände und knallbunte Sonnenschirme erwartet, hat weit gefehlt. Grau-, Blau-, Braun- und gräuliche Weißtöne bestimmen die Farbpalette des 61-Jährigen. Einer so oft knallbunten Welt setzt Hegewald die Gelassenheit der Nicht-Farbe entgegen. Das wirkt beruhigend, mitunter auch bedrückend, spiegelt aber nicht im Entferntesten das Gemüt des aufgeweckten, freundlichen Künstlers wider. 

 

Zu sehen sind Landschaften, Straßen und Plätze, die es irgendwo an der portugiesischen Küste, in Frankreich oder vielleicht auch Italien geben könnte –  aber doch nicht gibt. Es sind erdachte Orte. Michael Hegewald hat dafür eine ganz logische Erklärung: „Ich kann auf Reisen nicht malen, da müsste ich zu viel Equipment mitschleppen.“ Also nimmt er die Eindrücke und Erinnerungen einfach mit in sein Atelier im Prenzlauer Berg und fügt diese dann auf der Leinwand zusammen. Bis ein Bild vollendet ist, könne es mitunter mehrere Jahre dauern, verrät der Künstler. Aktuell warten 150 angefangene Werke darauf, von ihm fertiggestellt zu werden. 

 

Über seine berufliche Zukunft war sich Michael Hegewald schon in jungen Jahren im Klaren. „Mit zwölf wollte ich ein berühmter Maler oder Pilot werden“, lacht er. Noch zu Schulzeiten absolvierte er ein Abendstudium an der Kunsthochschule Weißensee. Nach dem Einser-Abi folgte eine Ausbildung zum Schrift- und Grafikmaler, 1978 dann das Malerei-Studium. Seit Ende der 80er gibt der freiberufliche Künstler und Mitbegründer des Kunsthaus e. V. sein Wissen auch als Dozent und Kursleiter weiter. Aktuell ist er an der TU Berlin, der HTW und einigen anderen Bildungseinrichtungen tätig.

 

Beruflich macht Hegewald mit der Ausstellung im Alten Rathaus am Helene-Weigel-Platz nicht zum ersten Mal Station in Marzahn-Hellersdorf. Er war einer von acht Malern, die gemeinsam mit der französischen Künstlergruppe Cité de la Création auf rund 64.000 Quadratmetern Betonwänden zwischen Stendaler und Tangermünder Straße die Illusion europäischer Altstadtfassaden entstehen lassen sollten. „Damals bin ich davon ausgegangen, dass ich in den nächsten Jahren sehr viel Zeit in Hellersdorf verbringen werde“, erinnert sich der Maler. Doch mit der Insolvenz der Immobiliengesellschaft Level One zerplatzte der Traum vom sogenannten Europaviertel. Realisiert wurde im Jahr 2007 lediglich die „Deutsche Fassade“ an einem Wohnhaus in der Stendaler Straße.

 

Seinen Lebens- und Arbeitsmittelpunkt hat Michael Hegewald vor vielen Jahren im damals noch wilden Prenzlauer Berg gefunden. Er ist mit der Kunsthistorikerin und Malerin Sylvia Hegewald verheiratet. Tochter Laura, 37 Jahre alt, stammt aus seiner ersten Ehe und arbeitet als Fotografin. Der heute 25-jährige Sohn Max, Schauspieler und Regisseur,  hat 2011 als bester Newcomer-Darsteller die Goldene Kamera verliehen bekommen.

 

Zur Person

Michael Hegewald wurde am 28. November 1955 in Berlin geboren und lebt im Prenzlauer Berg. Neben seiner Lehr- und Dozententätigkeit stellt er regelmäßig aus.

 

Aktuelle Ausstellung

„ereignis horizont“ läuft im Rahmen der Ausstellungsreihe Kostbarkeiten noch bis 27. April 2017. Altes Rathaus Marzahn, Helene-Weigel-Platz 8, Mo-Fr, 8-18 Uhr, Eintritt frei

 

Seine Arbeiten

Sie befinden sich u. a. im Märkischen Museum und in den Kunstsammlungen des DGB, der Berlinischen Galerie, der Humboldt-Uni, des Kulturamts Pankow und des RBB.

 

Fotos: Laura Hegewald