Trotz Rentenalter: Lippi gibt Vollgas

Der in Kaulsdorf geborene Entertainer ist wieder schwer beschäftigt

Trotz Rentenalter: Lippi gibt Vollgas

Für die 60. Folge unserer Promi-Rubrik in der Mai-Ausgabe haben wir den gebürtigen Kaulsdorfer Wolfgang Lippert zum Interview gebeten. Der 65-Jährige sprach mit uns übers Rentenalter, seine Karriere, die Störtebeker-Festspiele und private Tiefschläge.

Sie wurden 1952 in Kaulsdorf geboren und Ihr Vater spielte im Kreißsaal Geige. Mit welchem Lied hat er Sie begrüßt?

„Du sollst der Kaiser meiner Seele sein“ von Robert Stolz. Ein sehr schöner Auftakt für mein Leben, finde ich.

 

Wie lange haben Sie eigentlich in unserem Bezirk gelebt und sind Sie ab und an noch zu Besuch hier?

Meine gesamte Jugend hab ich hier verbracht und das sehr gern – vom Kaula bis zum Gutshaus in Mahlsdorf. Natürlich besuche ich so oft ich kann meine 97-jährige Mutter hier.

 

Schon daran gedacht, sich die IGA anzuschauen?

Klar, wenn Zeit ist, dann auf jeden Fall.

 

Stimmt. Sie haben ja wieder volles Programm. Im Juni beginnen die Störtebeker-Festspiele. Warum sollte man mal eine Aufführung gesehen haben?

Nur eine Aufführung zu sehen , finde ich eigentlich zu wenig. Ich würde einen ganzen Zyklus empfehlen, der über fünf Jahre läuft. So erlebt man in jährlich neuer Inszenierung ein gesamtes Störtebeker-Abenteuerleben vor traumhafter Kulisse.

 

Rügen ist ihre neue Heimat geworden. Haben Sie gar keine Sehnsucht nach Berlin?

Natürlich habe ich Sehnsucht nach Berlin, aber dann fehlt mir auch recht bald wieder „meine“  geliebte Insel. Dieser Wechsel zwischen Stadt und Land gefällt mir sehr.

 

Sie sind im Februar 65 geworden. Rente scheint noch kein Thema zu sein.

Nöööö. Ich habe einfach keine Zeit. Es gibt noch zu viel zu tun.

 

Wie halten Sie sich fit?

Ich benutze keinen Lift, fahre häufig Fahrrad oder Inliner und laufe gern in der Natur. 

 

„Erna kommt“ bescherte Ihnen 1983 den Durchbruch. Stimmt es, dass Sie das Lied zunächst nicht begeisterte?

Als mir der liebe Arndt Bause die „Erna“ am heimischen Klavier zum ersten Mal vorspielte,  sang er nur die beiden Worte „Erna kommt“  und dann noch in Sächsisch. Ich war gerade mit meinem Musikstudium fertig und wollte „Kunst“ machen. Dazu passte die Erna irgendwie nicht. Als schließlich der geniale Wolfgang Brandenstein den lustigen Text dazu schrieb, ist aus Erna meine große Liebe geworden, die bis heute hält. 

 

Viele Stars aus dem Osten sind nach der Wende zunächst in ein Loch gefallen. Sie hingegen haben 1992 mit „Wetten, dass ...?“ die Mutter aller Samstagabendshows moderiert. 

Ich glaube, dass ich viel Glück hatte. Mein „Loch“ kam etwas später. Apropos „Löcher“ – die gehören wohl zu jeder richtigen Karriere.

 

Gibt es aktuell eine TV-Sendung, die Sie reizen würde?

Mich reizt gerade „Ein Kessel Buntes“ im MDR und den darf ich sogar moderieren. Ansonsten bin ich für jede gute TV-Idee zu haben. Aktuell gibt es ein Angebot, wieder für Kinder zu arbeiten.

 

Bei den Fernsehzuschauern kommt der Rückblick auf die alten Folgen von „Ein Kessel Buntes“ gut an. 

Ja, und die Show ist auch bei jüngeren Zuschauern beliebt. Wir zeigen viele schöne, seltene und emotionale Ausschnitte der legendären Serie und man stellt dabei fest, wie professionell und voller Hingabe Fernsehen damals gemacht wurde. Dazu kommen die Interviews mit den einstigen Protagonisten. Das hat Charme und ist super interessant. 

 

Sie haben eine Ausbildung zum Kfz-Mechaniker gemacht, waren sogar als Fotograf tätig, sind Sänger, Schauspieler und Moderator. Gibt es auch etwas, das Sie überhaupt nicht können?

Ja, gibt es natürlich. Ich kann zum Beispiel ganz schlecht Nein sagen.

 

Um die Jahrtausendwende gab es für Sie mehrere private Tiefschläge. Wie haben Sie das alles weggesteckt?

Wie jeder gute Boxer: einfach nicht umfallen und weiter machen.

 

Welche neuen Projekte stehen bei Ihnen an? 

Ich habe ein neues Lied, den „Morgensong“, komponiert von Norbert Endlich. Der soll den Menschen das Aufstehen leichter machen. Außerdem arbeiten wir mit einigen Musiker-Kollegen zu Ernas 34. Geburtstag an verschiedenen Interpretationen meines Hits. Dann toure ich mit Lesungen aus meinem neuen Buch „Wetten, dass Erna kommt“ vom Eulenspiegel Verlag durchs Land. Und im Moment bin ich im Studio mit der Produktion der Songs für die Störtebeker-Festspiele beschäftigt.

 

Foto: Chris Gonz