Pfarrer Wittig geht in den Ruhestand

32 Dienstjahre in Hellersdorf waren geprägt von Kanzel, Kirche und Kommune

Pfarrer Wittig geht in den Ruhestand

„Es ist eine Mischung aus Wehmut und Entlastung“, sagt Pfarrer Hartmut Wittig (Foto: 2. v. r.) und lächelt. Doch so richtig kann er sich seinen wohlverdienten Ruhestand noch nicht vorstellen. Das ist verständlich, denn die vergangenen 32 Dienstjahre waren für den Mahlsdorfer eine intensive, spannende, mitunter aufregende, aber vor allem schöne Zeit.

Pfarrer Wittig war sozusagen ein Pionier. Als er vor mehr als drei Jahrzehnten nach Hellersdorf kam, gab es weder eine Kirche noch eine evangelische Gemeinde. Er hatte den Auftrag, beides aufzubauen. An seine erste Begegnung mit diesem Stück zentrumsferner Großstadt erinnert er sich ganz genau. „Ich bin damals auf die Anhöhe gestiegen – den heutigen Kienberg – und beobachtete einen Schäfer mit seiner Herde“, erzählt er. Ein symbolischer Augenblick – Wittig fotografierte den Hirten und verewigte ihn später sogar im  Gemeindelogo.

 

In seinen ersten beruflichen Monaten ging er in Hellersdorf im wahrsten Sinne des Wortes Klinkenputzen. Er hatte zwar eine Liste mit kirchlich gemeldeten Personen, doch darauf standen gerade einmal zwei Namen. Also machte sich Hartmut Wittig auf den Weg durch die  Neubauviertel und klingelte auch im Siedlungsgebiet an vielen Türen. Zur Gemeindegründung 1987 konnte er schließlich 300 Adressen vorweisen. Heute gibt es 3.500 gemeldete Kirchenmitglieder.

Anfangs traf man sich in Hauskreisen, später in einer vom Stadtbezirk zugewiesenen Wohnung. Kinder und Senioren kamen zumeist an diesem Anlaufpunkt zusammen. Es gab Beratungen, Christenlehre, es wurde gemeinsam musiziert, gebastelt und geredet. Zu Gemeindefesten lud der Pfarrer in seinen eigenen Garten ein.

 

Die Einweihung des Gemeindezentrums 1991 in der Glauchauer Straße 7 stellt einen weiteren Höhepunkt der Ära Wittig dar. Es folgten die Einrichtung einer Diakonie-Sozialstation, der Aufbau einer Kita und eines Schülerzentrums. „Das ist aber keinesfalls nur mein Verdienst, das haben wir gemeinsam im Team gestemmt“, betont Pfarrer Wittig.

Und der Gottesmann wirkte ebenso ins weltliche Leben hinein, beschränkte sich nie nur auf den Altar – etwa als Moderator eines Runden­ Tisches in den 1990ern und in jüngster Zeit, als er im Streit um die Flüchtlingsunterkunft in der Carola-Neher-Straße seine Stimme erhob.

Jetzt will er sich erst einmal für ein Jahr komplett zurückziehen. Jedenfalls nimmt sich das der 65-Jährige fest vor. Er möchte lesen, verreisen und zunächst anderswo zu Gottesdiensten gehen. Offiziell verabschiedet wird der rührige Pfarrer, der stets mit seinem Motorrad im Bezirk unterwegs ist, am 16. Juli, 14 Uhr, mit einem feierlichen Gottesdienst.

 

Text und Foto: Steffi Bey