Weltmeisterlich mit der Flosse

Johanna Schikora hat bei der Jugend-WM Gold und dreimal Bronze geholt

Weltmeisterlich mit der Flosse

Sie ist schneller als Ex-Schwimm-Star Michael Phelps zu seinen besten Zeiten und gerade einmal 15 Jahre alt. Eine gehörige Portion Naturtalent, Trainingsfleiß und eine große Flosse an ihren Füßen verhelfen Johanna Schikora dazu, sich pfeilschnell durchs Wasser zu bewegen.

 

Die Elft­klässlerin aus Kaulsdorf ist in ihrer Sportart, dem Flossenschwimmen, eine der größten Nachwuchshoffnungen. Sie hält den Jugendweltrekord über 400 Meter und ist von den Juniorenweltmeisterschaften im sibirischen Tomsk kürzlich als erfolgreichste deutsche Teilnehmerin mit einer goldenen und drei Bronzemedaillen zurückgekehrt.

 

Trotz dieser beeindruckenden Medaillenausbeute hat die ehrgeizige Sportlerin mit ihren Leistungen bei der WM etwas gehadert. Im 400-Meter-Rennen war sie als Favoritin an den Start gegangen, verpatzte dann aber im Finale einige Wenden und landete auf dem dritten Platz, der sich zunächst wie eine Niederlage anfühlte und noch Tage später an der Schwimmerin nagte. „Ich kam in den folgenden Rennen nicht mehr an meine alten Zeiten heran.“ Trotzdem reichte es über 200 Meter und mit der 4x200-Meter-Staffel abermals fürs Treppchen. Am letzten Wettkampftag kam dann auch das Selbstvertrauen zurück: Gold über 800 Meter. Doch noch ein Happy End für Johanna, die als Späteinsteigerin vor weniger als drei Jahren das Flossenschwimmen für sich entdeckt hat.

 

Damals suchte sie einen Ausgleich zum Schulalltag auf dem Otto-Nagel-Gymnasium und ihrem Hobby, dem Klavierspielen. Beim Tauchclub fez in der Wuhlheide (www.tcfez.de) wurde sie fündig. „Flossenschwimmen hat mir auf Anhieb gefallen, auch weil ich ein Fan von Meerjungfrauen bin.“ Heute weiß sie: mit den Fabelwesen hat ihre Sportart wenig zu tun. Flossenschwimmen ist dynamisch, erfordert ein Höchstmaß an Kondition und Kraft und ist technisch äußerst anspruchsvoll. Vor allem das Tempo mache für sie den Reiz aus, sagt Johanna, die davon träumt, eines Tages bei den World Games zu triumphieren und an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Bislang ist Finswimming­, so die offizielle Bezeichnung, zwar als olympische Disziplin anerkannt, wurde aber noch nicht ins Programm aufgenommen. Ob es in Tokio 2020 oder in Paris 2024 endlich so weit ist, darauf hat Johanna Schikora keinen Einfluss.

 

Aber sie bringt alle Voraussetzungen mit, auch in den kommenden Jahren sportlich erfolgreich zu sein, sagt ihr Trainer Volko Kucher: „Sie ist eine sehr fleißige und fokussierte Sportlerin, hat die richtige Einstellung und weiß trotz ihres jungen Alters schon ganz genau, was sie will.“ Besonders hoch rechnet er Johanna an, dass sie trotz des enormen Trainingspensums von fünf bis zehn Einheiten pro Woche die Schule nicht vernachlässigt. Das gehe nicht ohne einen minutiös durchgetakteten Alltag, verrät Johanna. Wie es nach der Schule mit dem Leistungssport weitergehen soll, darüber hat sich die Gymnasiastin noch keine großen Gedanken gemacht. Für sie steht bisher nur fest: „Ich will studieren.“