Carmina Burana als Hip-Hop-Spektakel

Neue Inszenierung von Christoph Hagel mit Jugendlichen aus dem Bezirk

Carmina Burana als Hip-Hop-Spektakel

Christoph Hagel versteht es wie kaum ein anderer, Klassik neu in Szene zu setzen. Er hat schon Mozarts „Don Giovanni“ im Technoclub E-Werk aufgeführt und „Die Zauberflöte“ in den damaligen Geister-U-Bahnhof Bundestag gebracht. 

Für Bachs „Johannes-Passion“ ließ er fünf Tonnen Sand in den Berliner Dom schütten und Tänzer mit nacktem Oberkörper auftreten. Ein weltweiter Erfolg ist seine mit dem Klassik-Echo ausgezeichnete Show „Flying Bach“, in der Breakdancer zu den Klängen von Bach performen. 

 

Aktuell arbeitet der in Berlin lebende Pianist, Dirigent und Regisseur mit Hochdruck an einem neuen Projekt, das am Sonnabend, dem 16. September, um 20 Uhr Premiere­ feiert. Extra für die IGA bringt Christoph Hagel Carl Orffs bekanntestes Werk „Carmina Burana“ als moderne Inszenierung auf die Bühne. Beteiligt sind die Berliner Symphoniker, der Ernst-Senff-Chor, international renommierte Sänger, Mitglieder der Hans-Werner-Henze-Musikschule, Artisten, Karatekämpfer, die Biesdorfer Ballettschule Szilvia­ Wolf und Kinder und Jugendliche aus Marzahn-Hellersdorf.

 

Hochkultur trifft Jugendkultur

Bei „Carmina Burana in the garden“, so der exakte Titel der Produktion, lässt Hagel diesmal Klassik mit Hip-Hop und einigen anderen zeitgenössischen Elementen verschmelzen. „Man erwartet zwar keinen Hip-Hop, aber tatsächlich eignet sich diese Tanzform bestens für das Stück“, erläutert er.

Und obwohl mehrere Hundert Jahre alt, ist der von Orff vertonte Stoff alles andere als verstaubt. Es handelt sich um mittelalterliche Jugendliteratur mit Texten rund um Natur, Liebe, Sex und Alkohol. Der Legende nach sind diese von Klosterschülern heimlich nachts beim Feiern verfasst worden. Und so war es für Christoph Hagel naheliegend, aus der „Carmina Burana“ ein Jugendprojekt zu machen.

 

Eine tolle Zusammenarbeit

50 Kinder und Jugendliche aus dem Bezirk hat der stadtbekannte Opernregisseur mit ins Boot geholt – ein Großteil von ihnen entdeckte er im Haus Kompass. Dort leitet die ausgebildete Bühnentänzerin und Schauspielerin Elisabeth Molnar­ verschiedene Tanzgruppen. „Sie ist bei den Proben eine große Hilfe, weil sie es versteht, die Stimmung und Motivation selbst bei den Kleinsten hoch zu halten“, lobt Hagel das Engagement der Künstlerin. Überhaupt sei er mit der Arbeit seiner jungen Nicht-Profis sehr zufrieden. „Man hört ja immer, Marzahn-Hellersdorf sei ein besonders problematischer Bezirk. Den Eindruck teile ich nicht. Ich habe schon einige Projekte mit Kindern und Jugendlichen gemacht und hier ist es mir ehrlich gesagt sogar besonders leicht gefallen.“

Sein Wunsch ist es, „Carmina Burana in the garden“ mit seinem 150-köpfigen Ensemble im nächsten Jahr erneut in der Freilichtbühne Arena aufzuführen. Erst einmal aber liegt Christoph Hagels kompletter Fokus auf der Premieren-Show. „Ich hoffe, dass es dem Publikum gefällt und dass es nicht regnet.“

 

Carmina Burana in the garden

Arena, Internationale Gartenausstellung

Sa, 16. September, 20 Uhr

So, 17. September, 15 Uhr

 

Foto: Mechthild Hoersch