Erziehungstipis von der „Super Nanny“

Katharina Saalfrank hat in Hellersdorf ihr neues Buch vorgestellt

Erziehungstipps von der "Super Nanny"

Die „stille Treppe“ machte sie deutschlandweit bekannt. Sieben Jahre lang war Katharina Saalfrank die „Super Nanny“. In der gleichnamigen Doku-Soap auf RTL kümmerte sie sich um überforderte Eltern und verhaltens­auffällige Kinder. Dafür wurde sie 2007 sogar mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet.

Zwar hat sich die Sozialpädagogin inzwischen komplett aus dem TV zurückgezogen, Paare und Familien sind aber immer noch ihr „Business“. In Wilmersdorf betreibt die 45-Jährige eine eigene Praxis. Auf ihre Zeit im Fokus der Öffentlichkeit blickt sie überwiegend gern zurück. „Das TV-Format hat mich inspiriert und war eine gute Schule. Ich habe gelernt, in kurzer Zeit mit vielen verschiedenen Menschen und Situationen umzugehen“, verriet die Expertin für Erziehungsfragen bei ihrem Besuch in Hellersdorf.

 

Dorthin war sie auf Einladung der Wohnungsbaugenossenschaft Hellersdorfer Kiez gekommen, um ihr neues, inzwischen drittes Buch vorzustellen. In dem Ratgeber „Kindheit ohne Strafen“ erklärt die Pädagogin, warum Strafen ihrer Meinung nach nicht helfen und sogar negative Auswirkungen auf die Entwicklung von Kindern haben können. „Sie führen zu Demütigung und Ablehnung, schädigen den Selbstwert der Kinder und belasten die Beziehung zwischen Eltern und Kind“, ist sich die Wahl-Berlinerin sicher.

 

Auch Ultimaten lehnt die Mutter von vier Söhnen zwischen 18 und 24 Jahren ab. Viel zu häufig, so Saalfrank, würden Eltern heute noch die „Wenn-Dann-Keule“ schwingen.

Und tatsächlich hat sich wohl schon fast jede Mama oder jeder Papa Sätze sagen hören wie „Wenn du jetzt nicht dein Zimmer aufräumst, darfst du heute Abend kein Fernsehen gucken.“ Doch ist das wirklich so verkehrt? Saalfrank findet ja, weil Eltern dadurch unbewusst ihre Macht ausspielen. Sie plädiert dafür, den lieben Kleinen auf Augenhöhe zu begegnen und Signale besser wahrzunehmen. Weil Kinder grundsätzlich Teamplayer seien, verweigerten sie die Zusammenarbeit nie ohne Grund: Mal seien sie gekränkt, mal fühlten sie sich schlichtweg überfordert. Und gerade Kinder außer Rand und Band hätten meist Zuwendung ganz besonders nötig.

 

„Es klingt natürlich sehr pathetisch, aber ich glaube, wenn alle Kinder bindungs- und beziehungsorientiert aufwachsen würden, gäbe es keine Kriege mehr auf der Welt“, sagt die Familientherapeutin und meint damit nicht, dass Kinder antiautoritär erzogen werden sollten. Ganz im Gegenteil: neben Zuwendung bräuchten sie auch Führung und Orientierung.

Aus Erfahrung weiß Saalfrank, dass viele Eltern mitunter über endlose Erklärungen versuchen, Konflikte zu lösen – und das meist vergebens, weil das Gesagte gar nicht ankomme. Denn Kinder seien gerade in den ersten Jahren von Emotionen bestimmt. An ihre Vernunft und Einsicht zu appellieren, führe zu nichts. Statt also Situationen zu zerreden, empfiehlt die Pädagogin, Verständnis für die Gefühlswelt des Nachwuchses zu zeigen, dies auch zum Ausdruck zu bringen, aber dem Kind trotzdem klar und deutlich die Meinung zu sagen oder aber ihm mitzuteilen, was von ihm erwartet werde.

 

Ganz konkrete Erziehungstipps gab es von der „Super Nanny“ für die überwiegend weiblichen Gäste der Veranstaltung im Kiez-Treff (Martin-Riesenburger-Straße) dann am Ende des Vortrags. Die Frauen berichteten der bekannten Familientherapeutin von Kindern, die nicht aufräumen wollen, sich gelegentlich aggressiv verhalten oder mit acht Jahren noch im elterlichen Bett nächtigen. Auch über smartphoneaffine Mütter, Begegnungen mit überforderten Eltern und die Sinnhaftigkeit von Belohnungssystemen wurde angeregt diskutiert. Schließlich schrieb­ Katharina Saalfrank noch fleißig Autogramme und persönliche Widmungen in Exemplare ihres neuen Buchs.  

 

Zur Person

Katharina Saalfrank studierte Päda­gogik in Mainz. Deutschlandweit erlangte sie Bekanntheit als „Super Nanny“ in der gleichnamigen RTL-Doku-Soap. Inzwischen hat sie eine eigene Praxis in Berlin, wo sie Familien und Paare berät.

Sie kam 1971 in Bad Kreuznach als Tochter eines Pfarrers und einer Lehrerin zur Welt und ist die Älteste von fünf Geschwistern. Saalfrank wurde konservativ erzogen, zog früh von Zuhause aus und wurde mit 21 Jahren zum ersten Mal schwanger. Mit ihrem Mann Christian, einem Kulturmanager und Doktor der Musikwissenschaft, hat sie sich die Erziehung der vier Söhne geteilt.