Andy Suess macht Kino für den Kopf

Der Hellersdorfer schreibt Hörspiele und gibt Figuren seine Stimme

Andy Suess macht Kino für den Kopf

Für Andy Suess ist ein Hörspiel wie ein Film ohne Bilder. Die Geschichte wird allein über Stimmen, Geräusche und Musik erzählt. Das Spannende daran ist, jeder Zuhörer kann sich die Figuren und deren Welt mit seiner eigenen Vorstellungskraft ausmalen.

14 Hörspiele hat der gelernte Datenverarbeitungskaufmann inzwischen geschrieben und darin mitgewirkt. Was als Hobby neben dem Beruf begann, ist zum Hauptbetätigungsfeld des 48-Jährigen geworden. Mit der 2011 gegründeten Gruppe „DreamTeamer Hörspieler“ tourt er durch Deutschland und gibt regelmäßig Vorstellungen im Friedrichshainer Theater „Verlängertes Wohnzimmer“ (Frankfurter Allee 91). Dort führt das Ensemble in der Adventszeit (15./16./22./23. Dezember um 20 Uhr) auch „Eine Weihnachtsgeschichte“ auf. Der Klassiker von Charles Dickens ist von Andy Suess als atmosphärisches Live-Hörspiel inszeniert worden.

 

Kreativ zu sein, das hat der sympathische Stimmakrobat schon immer gemocht. Mit seiner Super-8-Kamera drehte er als Kind kleine Filme und begeisterte sich fürs Theater. Trotzdem schlug er beruflich zunächst einen anderen Weg ein. „In Braunschweig, wo ich aufgewachsen bin, standen mir nicht so viele Türen offen.“ Erst seit er in Berlin wohnt, arbeitet der Wahl-Hellersdorfer als Schauspieler, Autor und Sprecher. Mit einer Improvisationstheatergruppe kam er zu seinen ersten Auftritten. Es folgten Kurzfilme und Komparsenrollen – unter anderem in George Clooneys „Monuments Men“ und dem US-Streifen „Inside WikiLeaks – die fünfte Gewalt“ mit Benedict Cumberbatch und Daniel Brühl. Letztes Jahr stand er mit Axel Milberg für einen Werbespot vor der Kamera. Vermittelt hatte ihm diesen Job eine nicht ganz gewöhnliche Agentur. Sie wurde von Del Keens, dem angeblich hässlichsten Model der Welt, gegründet. In der Kartei des Briten finden sich Menschen mit Ecken und Kanten, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen. Obwohl er eigentlich „zu normal“ aussehe, habe ihn Del Keens in seine Charakter-Modelagentur aufgenommen, berichtet Andy Suess. Inzwischen sind die beiden gute Freunde.

 

Nach seinem Traumprojekt befragt, muss der Hellersdorfer nicht lang überlegen: „Ich würde gern ,Die zwölf Geschworenen’ als Theaterstück inszenieren.“ Außerdem ist er schwer damit beschäftigt, die Hörspiele der DreamTeamer für die Veröffentlichung im Internet zu produzieren – zunächst auf der eigenen Homepage, später auch über Amazon, iTunes und andere Dienste.