Lachen mit Manon Straché

Die Darstellerin gab in Mahlsdorf Auszüge aus ihrem Buch zum Besten

Lachen mit Manon Straché

Ob auf der Theaterbühne oder vor der Kamera: Manon Straché versteht es, einen bleibenden Eindruck beim Publikum zu hinterlassen. Zu DDR-Zeiten wandelte sie mit dem Leipziger Kabarett „Academixer“ auf dem schmalen Grat der politischen Satire. Nach der Wende zog sie als sächselnde Blumenhändlerin Claudia Rantzow in die „Lindenstraße“ ein und erreichte dadurch deutschlandweit Bekanntheit.

Neben verschiedenen Engagements fürs Fernsehen und Theater tourt die vielseitige Künstlerin heute gelegentlich mit ihrem Buch „Leise jedoch kann ich nicht“ durch Deutschland. Darin gewährt Manon Straché Einblicke in ihr privates und berufliches Leben – in Ost und West. Erst kürzlich brachte sie bei einer Lesung das Porta-Möbelhaus in Mahlsdorf zum Beben. Mit ihren humorigen Anekdoten blies die gebürtige Magdeburgerin zum Dauerangriff auf das Zwerchfell ihrer Zuhörer.

 

„Ein paar dolle Dinger erlebt“

Der Bitte, sie möge ihre Lebensgeschichte aufschreiben, stand Manon Straché erst skeptisch gegenüber. Denn eigentlich verspürte sie keinen Drang, es den vielen Prominenten gleichzutun, die seit Jahren mit ihren Biografien den deutschen Buchmarkt fluten. Doch der Verlag blieb hartnäckig und die sympathische Schauspielerin und Kabarettistin willigte ein. Schließlich habe sie tatsächlich „ein paar dolle Dinger erlebt“, sagt die 57-Jährige. Unvergessen die Nacht mit Udo Jürgens, eine Taxifahrt mit Horst Buchholz durchs Brandenburger Tor, der Handkuss von Jassir Arafat im Pionierlager und viele andere Begebenheiten.

 

Im achten Anlauf zum Studium

Manon Straché wurde im März 1960 in Magdeburg geboren. Als Tochter einer alleinstehenden Balletttänzerin wuchs sie in den  ersten Jahren bei der Oma auf. Mit vier kam  sie zurück zur Mutter, die inzwischen einen Orchestermusiker geheiratet hatte. Beide Eltern waren am Theater in Magdeburg tätig­, wofür sich die kleine Manon begeisterte. Im Alltag imitierte sie die schwulen Tänzerkollegen ihrer Mutter und schlüpfte in die Rolle der unnahbaren Film-Diva Romy­ Schneider. Ihre Lehrerin trieb sie damit fast zur Weißglut. Nachdem sie erst mit einer Karriere als Tänzerin, dann als Opernsängerin geliebäugelt hatte, beschloss Manon Straché, Schauspielerin zu werden. Doch keine der vier DDR-Schauspielhochschulen wollte die junge Frau. So versuchte sie sich kurzzeitig als Reisekauffrau, ehe sie dann doch fürs Studium in Leipzig zugelassen wurde.

 

Eine Nacht mit Udo Jürgens

Später fand die heutige Wahl-Berlinerin ihre berufliche Heimat beim Kabarett. Fünf Jahre gehörte sie zu den Leipziger „Academixern“, mit denen sie auch im nicht-sozialistischen Ausland gastierte. Als das Ensemble 1988 nach Zürich kam, traf Manon Straché auf Udo Jürgens, der gerade sein neues Album promotete. Sie fragte nach einem Autogramm, er lud sie zu einer Privatparty in sein Apartment ein. Woran sie sich heute noch erinnern könne, war ein Duett, zu dem sie Jürgens nach ein paar Gläsern Whisky aufgefordert hatte. Am nächsten Morgen sei sie angezogen und mit gewaltigem Kater in einem fremden Bett aufgewacht. „Ich dachte mir: Komisch, der Typ da im Zimmer sieht aus wie Udo Jürgens.“ Ganz lässig im Bademantel gekleidet, mit einer Tasse Espresso in der Hand begrüßte der bekannte Schlagersänger seinen Übernachtungsgast.

 

Quoten-Ossi und Telestar

Über ihre Erlebnisse im Ausland musste Manon Straché schweigen. Ohnehin überkam sie das Gefühl, als Kabarettistin kaum mehr als ein „Hofnarr des Systems“ zu sein. „Wir machten politisches Kabarett im Westen und unsere Zuschauer dachten: Meine Fresse, sind die frech. Was die alles dürfen. So schlimm kann’s ja im Osten nicht sein.“ Es wuchs der Wunsch, das Land zu verlassen. Mit ihrem Lebensgefährten Peer Jäger machte sie eines Tages aus, wer das nächste Mal im Westen gastiert, bleibt gleich drüben. Und das war ihr Mann. Im September ’89 kehrte er nicht zurück. „Es war eine fürchterliche Zeit. Jeden Tag fehlte wieder jemand“, erinnert sich Manon Straché, die in Leipzig bei den Montagsdemos dabei war. Kurz nach der Öffnung der Mauer verließ sie die DDR und ging nach Heidelberg. Auch dank ihrer Rolle in der „Lindenstraße“, für die ein Quoten-Ossi gesucht wurde, konnte sie schnell Fuß fassen. Heute ist sie eine gefragte Charakterdarstellerin. Sie erhielt 1998 den „Telestar“ für ihre Leistung in der ZDF-Serie „Girl Friends“, spielte die Hauptrolle in „Hotel Elfie“, stand für das „Traumschiff“ vor der Kamera und hat im vergangenen Sommer gemeinsam mit Desirée Nick in „Bette & Joan“ den legendären Zickenkrieg zweier Hollywood-Ikonen auf die Kudamm-Bühne gebracht.