Jörg Schüttauf als Hundertjähriger

Mit Holger Umbreit liest er in Marzahn aus dem schwedischen Bestseller

Jörg Schüttauf als Hundertjähriger

Dieser Mann passt in keine Schublade. Jörg Schüttauf hat schon alles gespielt: Dichter und Stasi-Offiziere, Polizisten und Gangster, Boxer und Matrosen – mal komisch, mal ernst, mal böse. Acht Jahre lang sahen ihm Millionen Deutsche dabei zu, wie er im Frankfurter „Tatort“ als Kriminalhauptkommissar Fritz Dellwo an der Seite von An­drea Sawatzki ermittelte.

Zuletzt durfte man Schüttaufs Wandlungsfähigkeit auch wieder im Kino bewundern. In der amüsanten Verwechslungskomödie „Vorwärts immer“ gab der gebürtige Chemnitzer den doppelten Erich Honecker.

 

Nun kommt er nach Marzahn-Hellersdorf. In einer szenischen Lesung präsentiert Schüttauf gemeinsam mit seinem Schauspielkollegen Holger Umbreit am Samstag, dem 24. Februar, um 20 Uhr im Freizeitforum Marzahn Auszüge aus dem Roman „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“. Die "Hellersdorfer" sprach mit dem vierfachen Grimme-Preisträger über die bevorstehende Veranstaltung und weitere Projekte.

 

Sie treten am 24. Februar im Freizeitforum auf. Wird das Ihr erster Besuch in Marzahn-Hellersdorf? Wissen Sie etwas über unseren Bezirk?

Nein, ich war mit meinem alten Kumpel Thomas Putensen schon mal hier. Außerdem hat meine Schwester in Marzahn-Hellersdorf die Liebe ihres Lebens gefunden.

 

In der szenischen Lesung sind Sie mit Holger Umbreit zu erleben. Woher kennen Sie beide sich?

Wir haben uns vor 15 Jahren bei Dreharbeiten zu dem Film „September“ von Max Färberböck kennengelernt. Daraus ist über die Jahre dann tatsächlich eine echte Freundschaft geworden – nicht unbedingt üblich in unserer Branche.

 

Wer von Ihnen beiden hatte die Idee zur Lesetour mit dem Hundertjährigen?

Holger hatte die Idee, eine gemeinsame Lesung zu konzipieren und ich bin dann auf den „Hundertjährigen“ gestoßen. Und da ich ungern irgendwo alleine sitze, bot sich eine szenische Lesung zu zweit an.

 

Was genau an dem Roman hat Sie gepackt?

Der Roman erzählt zwei Ebenen: einmal in Rückblenden das verrückte, hundertjährige Leben des Allan Karlsson, das deswegen so verrückt ist, weil er herausfindet, wie man eine Atombombe baut. Und dann, in der Gegenwart, die Flucht des Allan Karlsson mit einem zufällig gestohlenen Koffer voller Geld. Eine wunderbare und spannende Kombination.

 

Stand von vornherein fest, wer welche Rolle übernimmt oder mussten Sie eine Münze werfen?

Nein, nein, das Stand fest. Holger hat nicht das richtige Alter für den Hundertjährigen …

 

Was erwartet das Publikum an diesem Abend im Arndt-Bause-Saal?

Eine szenische Lesung, die uns viel Spaß bereitet. Und dieser Spaß, so hoffen wir,  überträgt sich auf das Publikum.

 

Würden Sie gern so alt werden wie die Hauptfigur im Roman?

Nein, älter.

 

Was glauben Sie, würden Sie mit einem Koffer voll Geld im Spätherbst Ihres Lebens anstellen?

Ich würde alles Holger geben. Ich hab ja genug.

 

Sie sind aktuell bei Dreharbeiten. Können Sie uns schon etwas über das Projekt verraten?

Es stehen einige Ideen und Projekte an, die ab Frühling realisiert werden. Aber darüber kann ich momentan leider noch nichts erzählen.

 

Was steht in den kommenden Monaten noch so an? Wo kann man Sie sehen?

Drei Filme kommen ins Fernsehen, einer davon heißt „Macht euch keine Sorgen“. Darin geht es um den Vater eines IS-Kämpfers, der ins jordanisch-syrische Grenzgebiet reist, um seinen zum Islam konvertierten Sohn wieder nach Deutschland zu holen.

In „Dreizehn Uhr mittags“ spiele ich einen Vorstadtpolizisten auf der Flucht vor unberechenbaren Gangstern. Und ein dritter Film feiert auf der Berlinale Premiere, worüber ich mich sehr freue. Im November spiele ich dann in einer Tragikomödie den erfolgreichsten Operettenkomponisten der 30er Jahre, Paul Abraham, am Schlosspark Theater Berlin und auf Tournee.

 

Worauf achten Sie bei der Auswahl Ihrer Rollen?

Ich freue mich über Rollenangebote jedweder Art. Tiefgründig, hintergründig, ernst, gut, böse und gern auch komisch.

 

Sie haben mit sechs Jahren das erste Mal Theater gespielt. Gab es mal Momente im Leben, in denen Sie genug vom Schauspielern hatten und gern einen anderen Beruf ausgeübt hätten?

Ich habe eine Tischlerausbildung, und alle, die einen Tisch haben, können froh sein, dass er nicht von mir ist. So viel dazu …

 

Was machen Sie, wenn Sie nicht drehen oder spielen?

Ich reise gern. Und das geht ja seit geraumer Zeit in alle Himmelsrichtungen.

 

Wir haben in der Reihe „Mit Promis im Gespräch“ schon häufig mit erfolgreichen Künstlern aus der DDR gesprochen, die nach der Wende plötzlich nicht mehr gefragt waren. Ihnen blieb das erspart. Wie haben Sie das gemacht?

Wie so oft spielte der Zufall eine große Rolle. 1990 war ich frei und ungebunden, in keinem festen Arbeitsverhältnis und keinem Ensemble zugehörig. Durch ein erfolgreiches Vorsprechen erhielt ich ein Angebot der Bavaria München. Plötzlich war ich bayerischer Polizist in einer Fernsehserie namens „Der Fahnder“. Niemand musste sich mehr Sorgen um mich machen.

 

Foto: Naumann Concept