Und wo waren Sie, als die Mauer fiel?

Vier Fragen an ... Wolfgang Ziegler  

Und wo waren Sie, als die Mauer fiel?

Wolfgang Ziegler (76) ist Sänger und Komponist. Sein Hit „Verdammt“ (... und dann stehst du im Regen) ging 1987 durch die Decke und ist heute Kult. Die aktuelle Single des Kaulsdorfers heißt „Wir feiern dieses Leben“. Im nächsten Jahr soll sein 15. Album erscheinen. Für unsere Rubrik "4 Fragen an ..." haben wir den Künstler gefragt, wie er den Fall der Berliner Mauer erlebt hat.

 

Wissen Sie noch, wo Sie waren, als vor 30 Jahren die Mauer fiel?

Klar, einen historischen Moment wie diesen vergisst man nicht. Ich war zu Hause und der Fernseher lief, als Schabowski die legendäre Pressekonferenz gab. Ehrlich gesagt, kam der Mauerfall für mich gar nicht so überraschend. Ich hatte längst das Gefühl, es sei an der Zeit. Aber das Tempo, in dem sich die Ereignisse überschlugen, war schon bemerkenswert. Ich bin dann nicht gleich am Abend zu einem der Grenzübergänge geeilt. Sicher weil ich als Künstler gewisse Freiheiten hatte und die Welt da drüben schon kannte. 

 

Welche Hoffnungen, vielleicht auch Ängste verbanden Sie mit dem Ereignis? 

Anfangs habe ich mir noch Gedanken gemacht, ob alles friedlich bleiben würde. Aber dann empfand ich eigentlich nur noch Freude.

 

Wie hat sich die politische Wende auf Ihr Leben ausgewirkt?

Beruflich hat sich einiges verändert. Wir Künstler aus der DDR waren plötzlich nicht mehr gefragt und fielen zunächst fast alle in ein tiefes Loch. Ich hatte 1989 Aussicht auf einen lukrativen Plattenvertrag im Westen. Der Traum zerplatzte mit der Wende. Aber in Selbstmitleid zu baden, kam nicht infrage. Ich bin schon immer ein Kämpfer gewesen und habe viel Zeit und Geld investiert, um zwei, drei gute Songs zu produzieren. Mit denen bin ich zu einer Münchener Plattenfirma gegangen. 1991 hatte ich den Vertrag in der Tasche. Damit war ein wichtiger Schritt getan. Bis ich aber annähernd wieder auf dem Level von einst war, dauerte es noch eine ganze Weile.

 

Was wünschen Sie Deutschland für die nächsten 30 Jahre?

Die Lebensweisen in Ost und West waren so unterschiedlich, dass eine komplett vollzogene Einheit offenbar mehr Zeit braucht, als wir alle geglaubt haben. Ich wünsche mir daher ein weiteres faires Zusammenwachsen der Menschen in Ost und West, das durch gegenseitigen Respekt und Achtung geprägt ist.

 

Foto: Manfred Esser