Kochen, Hausaufgaben machen, Städte bauen, Italienisch lernen – fast alles online


Das Team vom Babylon hält den Kontakt zu den Kids digital aufrecht

Kochen, lernen, Städte bauen – fast alles online

So ruhig wie in den vergangenen Wochen war es im Haus Babylon wohl noch nie. Lediglich die Bauarbeiter sorgen in dem beliebten interkulturellen Zentrum, das voraussichtlich noch bis Herbst für mehrere Millionen Euro saniert wird, dieser Tage für ein bisschen Lärm. Das Gewusel von rund 800 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die sich hier sonst Woche für Woche zu unterschiedlichen Aktivitäten treffen, miteinander spielen, quatschen und feiern, aber fehlt.

Doch auch wenn wegen der Corona-Krise gerade fast kein Reinkommen in die Einrichtung ist, lassen die Mitarbeiter vom Babylon den Kontakt zu ihren überwiegend jüngeren Besuchern nicht abreißen. „Wir haben unser Programm umgestellt und der aktuellen Situation angepasst“, sagt Dr. Mekonnen Shiferaw, der mit seinem gemeinnützigen Verein Babel die Begegnungsstätte in der Stephan-Born-Straße betreibt. Vieles finde derzeit online statt. Auch eine Hotline wurde eingerichtet. Wer mal reden, etwas fragen will oder zu Hause Stress mit den Eltern hat, kann einfach durchklingeln. 

 

Ganz besonders aktiv im Netz ist das Jugendteam. Jeden Tag gibt es Angebote. Für das interkulturelle Schulprojekt entstehen orientalische Märchen und auch Erklärvideos, in denen Svitlana Danilova über Phänomene wie Diskriminierung und Rassismus informiert. 

Lutz Rosemeier baut mithilfe des Simulators „Cities Skylines“ am Computer eine virtuelle Stadt, die nach den Gestaltungsideen und Wünschen der Kinder und Jugendlichen geformt wird. Und im Interkulturellen Kochstudio zeigt jetzt das Babylon-Team, was es am Herd so drauf hat. Normalerweise schwingen hier die jungen Besucher bei der Veranstaltungsreihe „Kinder kochen sich um die Welt“ den Kochlöffel. Jetzt sitzen sie zu Hause vorm Bildschirm und verfolgen zum Beispiel, wie der 29-jährige Syrer Ahmad Kattan „Fasulia ala Ruz“ zubereitet, ein Gericht aus seiner Heimatstadt Damaskus mit weißen Bohnen, Rindfleisch und Reis.

 

Ganz neu ist auch der Online-Italienischkurs mit Jenny Beck und Miriam Simone. Die beiden Frauen arbeiten erst seit Februar hier und haben nur anderthalb Monate Normalbetrieb im Babylon erleben dürfen, ehe Corona den Alltag bestimmte. Während Jenny Beck das Jugendprojekt leitet, verantwortet Miriam Simone das Roma-Projekt. Einen Großteil ihrer Arbeitszeit verbringt sie aktuell am Telefon mit psychologischen Beratungen und der Unterstützung bei der Arbeitsmarktintegration. In dringenden Fällen werden auch Einzelgespräche vor Ort vereinbart. „Wir bieten das an, weil manche Roma die persönliche Begegnung brauchen, um sich mir anvertrauen zu können. Natürlich achten wir auf die Einhaltung des Mindestabstands“, schiebt die junge Italienerin gleich hinterher. 

 

Jenny Beck vergibt inzwischen ebenfalls wieder Einzeltermine – und zwar für die Hausaufgabenhilfe. Gerade ist die Sechstklässlerin Ayla zum „Gewi-Pauken“ bei ihr. 

Auch im Gemeinschaftsgarten betätigen sich die Babylon-Mitarbeiter mit einigen wenigen Kids. „Der überwiegende Teil der Kontakte findet aber weiterhin digital statt“, sagt die 25-jährige Kulturmanagerin Beck. Denn aktuell gibt es für das Babylon und andere Freizeiteinrichtungen im Bezirk noch keine Wiedereröffnungsperspektive.

 

Per Mail, Telefon und über die Social-Media-Kanäle ist das Babylon-Team montags bis freitags von 8.30 Uhr bis 17 Uhr erreichbar. T. 998 58 91, Hotline: T. 0152.51 70 34 30, babel-berlin@t-online.de