Marzahner Handwerksbetrieb will Zukunft gemeinsam gestalten

Gebäudeservice Wodara GmbH veröffentlicht zweite Gemeinwohl-Bilanz

Firma will Zukunft gemeinsam gestalten

Woran bemisst sich der wirtschaftliche Erfolg einer Firma? An Profit um jeden Preis? Nicht nach dem Verständnis von Mario Wodara. Der Geschäftsführer eines mittelständischen Handwerksunternehmens mit Sitz in Marzahn steht hinter der Idee der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ). Sie baut auf den Werten Menschenwürde, Solidarität, ökologische Nachhaltigkeit, soziale Gerechtigkeit sowie Transparenz und Mitentscheidung auf und versteht sich als Alternative zum kapitalistischen Wirtschaftsmodell. 

Das klingt erst einmal ziemlich abstrakt, wird aber in einer Bilanz konkreter, die GWÖ-Unternehmen alle zwei Jahre vorlegen. Darin ist genau beschrieben, was im Alltagsgeschäft für Mensch und Natur getan wird – also zum Beispiel ob faire Löhne gezahlt werden, welche Kriterien für die Lieferant*innen-Auswahl definiert sind und inwieweit Umweltschutz bei Neuanschaffungen mitgedacht wird. Insgesamt gibt es 20 Themenfelder. Ihren zweite Gemeinwohl-Bericht konnte die Gebäudeservice Wodara GmbH vor wenigen Wochen fertigstellen und zur Prüfung einreichen.

 

Neben Sebastian Hemme, der 2019 extra für die Umsetzung der Gemeinwohl-Themen ins Team geholt wurde, hat auch die Studentin Filiz Jätzold viel Arbeit in die Erstellung des 80-Seiten-Papiers gesteckt. Die Wahl-Berlinerin macht in Eberswalde gerade ihren Master in nachhaltiger Unternehmensführung und war für ein Projektpraktikum auf der Suche nach einer gemeinwohlorientierten Firma. Schließlich landete sie in Marzahn. „Wir haben uns zunächst virtuell getroffen, dann vor Ort und es hat sich irgendwie richtig angefühlt“, begründet die 26-Jährige ihre Wahl für die Gebäudeservice Wodara GmbH. Das war im vergangenen November. „Hinter uns liegen drei intensive Monate. Ohne Filiz hätten wir den Bericht weder so schnell noch so ausführlich hinbekommen“, lobt der Chef das Engagement der jungen Frau. 

 

GEMEINSCHAFTSLEISTUNG: Während die erste Bilanz, wie Mario Wodara es ausdrückt, 2018 eher „im stillen Kämmerlein“ entstand und dadurch vom Personal kaum wahrgenommen wurde, war es nun für die Rezertifizierung Anspruch der Unternehmensführung, möglichst viele Angestellte in den Prozess einzubinden und für das Thema zu interessieren.  „Bislang wusste kaum jemand, was in unserem GWÖ-Bericht überhaupt drinsteht. Wir haben Interviews mit Mitarbeitenden aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen geführt, sind die alte Bilanz durchgegangen, haben Meinungen eingeholt und Ideen aufgenommen“, berichtet Sebastian Hemme. Insgesamt wurden elf Angestellte aus der Leitungsebene interviewt, weitere Mitarbeitende haben an schriftlichen Umfragen teilgenommen. Mehr war aufgrund der Corona-Beschränkungen nicht möglich. Filiz Jätzold ist mit der Beteiligung trotzdem zufrieden: „Alle haben sich darauf eingelassen. Teilweise gingen die Gespräche drei Stunden lang. Das war total schön und sehr aufschlussreich.“ Aus den Interviews wurden schließlich Ziele rausgezogen und anschließend zur Abstimmung gestellt. 

 

VIEL VORGENOMMEN: Vorgenommen haben sich Mario Wodara und sein Team eine ganze Menge. So sollen künftig Umweltkennzahlen – etwa beim Strom-, Benzin- und Wasserverbrauch – nicht nur geschätzt, sondern genau erfasst werden, um eine genauere Vorstellung davon zu haben, wie groß der CO2-Abdruck des Unternehmens wirklich ist. Außerdem haben die Beschäftigten sich dafür ausgesprochen, Einkaufsrichtlinien festzulegen, um bei Anschaffungen systematischer auf Nachhaltigkeit zu achten.

Zum Ausdruck gekommen ist in den Gesprächen auch, dass der Wert von Fort- und Weiterbildungen für die persönliche Entwicklung und das Unternehmen durchaus anerkannt wird. Das habe ihn überrascht, gesteht Sebastian Hemme. „Ich hatte bislang das Gefühl, das Interesse daran sei nicht sonderlich groß.“ Deshalb sollen Weiterbildungsmöglichkeiten nun aktiver beworben werden. 

Weit oben auf der Agenda steht auch, das unternehmenseigene Leitbild zu überarbeiten und dort gemeinsame Grundwerte zu verankern. Außerdem wurde häufig der Wunsch nach einer besseren Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Abteilungen im Unternehmen geäußert, „unter anderem was das Weiterempfehlen der eigenen Dienstleistungen gegenüber Kund*innen angeht“, merkt Sebastian Hemme an. Das Portfolio der Gebäudeservice Wodara GmbH umfasst Glas- und Gebäudereinigung, Winterdienst, Grünanlagenpflege, Hausmeister*innenservice, Höhenarbeiten sowie Farb-, Fliesen- und Ausbauarbeiten. 

Es gibt also viel zu tun. Aber es ist auch schon einiges erreicht worden. Bemerkenswert sei unter anderem, wie viel im Unternehmen für die Angestellten getan werde, sagt Filiz Jätzold. „Allein im Bereich der Gesundheitsversorgung passiert viel, was weit über die gesetzlichen Standards hinausgeht.“ 

 

AUF DAS RESULTAT GESPANNT: Inzwischen ist die Studentin wieder zurück an der Hochschule in Eberswalde. Sobald die Auditierung des Berichts ansteht, will sie aber unbedingt dabei sein und noch mal in die Marzahner Chaussee kommen. Sebastian Hemme rechnet in den kommenden Wochen damit. Schon jetzt sind alle gespannt auf das Ergebnis der Prüfung. Welche Gemeinwohl-Punktzahl am Ende unter dem Bericht steht, ist für den Chef fast nebensächlich. „Wir wollen uns mit der GWÖ-Bilanz kein reines Gewissen machen und brauchen auch kein Greenwashing. Es geht darum, unser unternehmerisches Handeln zu hinterfragen“, stellt Mario Wodara klar. Filiz Jätzold nickt: „Allein schon den Plusbereich zu erreichen bedeutet ja, man tut etwas fürs Gemeinwohl.“ 2018 konnte die Gebäudeservice Wodara GmbH auf einer Skala von -3.600 bis +1.000 aus dem Stand 288 Punkte verbuchen.