Die Lohnlücke sichtbar machen

Am Rathaus weht die rote Equal-Pay-Day-Flagge

Die Lohnlücke sichtbar machen

Wir schreiben das Jahr 2023. Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, dass gleiche Arbeit gleich bezahlt wird. Ist es aber nicht. Noch immer verdienen Frauen in Deutschland im Schnitt 18 Prozent weniger als Männer. Der Equal Pay Day macht alle Jahre wieder auf diese Ungerechtigkeit aufmerksam. Er fällt in diesem Jahr auf den 7. März. Bis zu dem Tag müssen Frauen symbolisch betrachtet unentgeltlich schuften, während Männer seit dem 1. Januar volles Gehalt beziehen. Das entspricht 66 Tagen unbezahlter Arbeit. In Marzahn-Hellersdorf wurde anlässlich des Aktionstages am Dienstagmittag das Rathaus in Helle Mitte beflaggt.

Seit 2008 wird in Deutschland der Equal Pay Day begangen. Die Lohnkluft lag damals bei 22 Prozent. Es tut sich also wenig beim ungleichen Gehaltsgefüge zwischen den Geschlechtern, was auch und vor allem daran liegt, dass viele Frauen nach wie vor in schlechter bezahlten Berufen und Branchen tätig sind – etwa in der Pflege oder im sozialen Dienstleistungssektor –, dass sie häufiger als Männer in Teilzeit arbeiten, länger die Berufstätigkeit für die Familie unterbrechen und dadurch seltener Führungspositionen erreichen. 

Doch auch Frauen mit denselben Tätigkeiten, vergleichbaren Qualifikationen und Erwerbsbiografien verdienen laut Statistischem Bundesamt durchschnittlich sieben Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Der Gender Pay Gap ist also nicht nur ein Symptom von fest verwurzelten strukturellen Ungleichheiten in Gesellschaft und Unternehmen, sondern tatsächlich auch Ausdruck geschlechtsspezifischer Diskriminierung.

 

Marzahn-Hellersdorfs Bezirksbürgermeister Gordon Lemm (SPD), der am 7. März gemeinsam mit Stadträtin Juliane Witt (Linke), der bezirklichen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Maja Loeffler und engagierten Frauen aus dem Bezirk die Equal-Pay-Day-Fahne auf dem Alice-Salomon-Platz hisste, sagte anlässlich des Aktionstages: „Es ist wichtig, dass Frauen und Männer für vergleichbare Tätigkeiten das gleiche Entgelt erhalten.“ Die Beseitigung der Lohnungleichheit müsse auf allen Ebenen angegangen werden. Dazu gehören für ihn auch bessere Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

 

Das sieht die Fraktionsvorsitzende der Linken in der Bezirksverordnetenversammlung, Sarah Fingarow (Linke), ganz ähnlich. In einer Pressemitteilung kritisiert sie, dass bislang zu wenig unternommen wurde, um mit „rechtlichen Maßnahmen“ die Lohnlücke zu schließen. Fingarow fordert unter anderem eine hochwertige, verlässliche und flexible Kinderbetreuung, um Arbeit und Familienleben besser zu vereinbaren. Außerdem müsse Care-Arbeit „endlich entsprechend honoriert und anerkannt werden.“

 

Was vielen nicht bewusst ist: Besonders groß ist der Gender Pay Gap mit 20 Prozent in der Kunst- und Kulturbranche. Darauf machte Maja Loeffler aufmerksam. „Frauen sind unterrepräsentiert in Filmen, Büchern und in der Musik. So werden alte Rollenstereotype von Männern und Frauen verfestigt. Dies spiegelt sich dann auch im Portemonnaie wider“, so Loeffler. Daher müssten Frauen sichtbarer werden und das Gleiche verdienen. Das Motto des diesjährigen Equal Pay Day lautet „Die Kunst der gleichen Bezahlung“.