Jugendklub Klinke wächst über sich hinaus

Grundstein für Erweiterung eines wichtigen Ankerorts in Marzahn gelegt

Jugendklub Klinke wächst über sich hinaus

Als drei Jugendliche eine silberne Zeitkapsel in den noch feuchten Beton versenken, ist der offizielle Teil der Grundsteinlegung geschafft. Unter der künftigen Bodenplatte des Jugendklubs „Die Klinke“ verschwinden an diesem Dienstag Ende April nicht nur Sticker, Fotos, Zeitungen und ein Stück des alten Bühnenteppichs – sondern auch Zukunftsgedanken der Jugendlichen selbst. Bei einer Grillparty hatten sie ihre Botschaften gesammelt und aufgeschrieben. Voraussichtlich in gut einem Jahr werden sie hierher zurückkehren und das dann erweiterte und generalsanierte Haus wieder mit Leben füllen.

Rund fünf Millionen Euro fließen aus dem Förderprogramm „Nachhaltige Erneuerung“ in die Jugendfreizeiteinrichtung an der Bruno-Baum-Straße – gut angelegtes Geld, wie die Akteure bei der Grundsteinlegung deutlich machten. Seit Jahren gilt die Klinke als feste Adresse für offene Jugendarbeit, junge Bands und Konzerte – weit über Marzahn-Hellersdorf hinaus. Doch das Gebäude stieß zunehmend an seine Grenzen. „Es gab 83 Plätze, jetzt werden es 199“, sagte Staatssekretär Stephan Machulik (SPD) bei der Feier. Das tue dem Kiez gut und halte auch Familien im Viertel. Wegen der Gemeinschaftsunterkunft und der neuen Grundschule in der Nachbarschaft soll das Angebot künftig erweitert und stärker auch auf jüngere Jugendliche ausgerichtet werden. Dafür werden ebenfalls zusätzliche Räume benötigt.

 

Er kenne den Ort noch als Jugendlicher, verriet Bezirksstadtrat Gordon Lemm (SPD). Der Klub entstand 1996 und wird seit 2014 vom Kinderring Berlin e. V. betrieben. Das Gebäude stamme ursprünglich aus dem Jahr 1980 und sei zu DDR-Zeiten eine SERO-Annahmestelle gewesen, berichtete Lemm. „Es war also überhaupt nicht dafür konzipiert, dass hier mal Jugendliche abhängen, eine gute Zeit haben und vor allem ordentlich Musik machen.“ Genau deshalb sei der Umbau überfällig.

 

 

Tatsächlich wird nicht nur renoviert, sondern grundlegend neu gedacht. Weil der Altbau die erforderliche Aufstockung nicht tragen kann, werden 30 Jahre alte Anbauten abgerissen und durch eine selbsttragende Querüber­spannung ersetzt. Im Obergeschoss sind Seminar- und Projekträume, ein Atelier, Sanitärräume und eine Teeküche vorgesehen. Geplant wurde das Vorhaben vom Architekturbüro Joachim Harms Architekten. Im Erdgeschoss entstehen ein größerer Veranstaltungssaal mit Bühne und Backstagebereich, neue Probenräume, ein Tonstudio sowie flexibel nutzbare Bar- und Küchenbereiche. 

 

Auch technisch wird das Haus auf den neuesten Stand gebracht: Elektrik, Heizung, Lüftung, Wärmedämmung und Brandschutz werden erneuert. Neue Türen, Sanitäranlagen und ein Aufzug sorgen künftig für Barrierefreiheit. Für Musiker besonders wichtig: Auch die Akustik im Saal, in den Proberäumen und im Studio wird deutlich verbessert.

 

Nachhaltigkeit spielt ebenfalls eine Rolle. Holzverkleidungen an Fassade und Innenwänden sind vorgesehen, das Dach wird begrünt. Das verbessert das Mikroklima, speichert Regenwasser und schafft Lebensraum für Insekten. Nach der Fertigstellung sollen die Jugendlichen selbst mitgestalten: Gartenflächen und überdachte Sitzgelegenheiten wollen sie später eigenständig planen und bauen.

 

Während der Bauzeit bleibt die Klinke trotzdem aktiv. Vorübergehend ist der Jugendklub im ehemaligen „Kino Kiste“ am U-Bahnhof Hellersdorf untergekommen. Burkhard Zimmermann, Vorstandsvorsitzender des Kinderring Berlin e. V., dankte ausdrücklich dem für Facility Management und Kultur zuständigen Bezirksstadtrat Stefan Bley (CDU) dafür, dass mit der „Kiste“ ein Ausweichquartier gefunden werden konnte. Die Einrichtung sei ein hervorragender Ort für Jugendarbeit.