Senat setzt in seinem Bewerbungskonzept auch auf eine Wettkampfstätte in Marzahn-Hellersdorf
Der Kienberg als Olympia-Strecke?
Eröffnungsfeier auf dem Tempelhofer Feld, Boxkämpfe in der Waldbühne, Schießwettbewerbe auf der Galopprennbahn Hoppegarten – Berlin hat sein Konzept für eine Olympiabewerbung vorgestellt. Auch Marzahn-Hellersdorf spielt darin eine Rolle: Die Mountainbike-Wettbewerbe könnten am Kienberg und in den Gärten der Welt ausgetragen werden.
Nachdem bereits vor einigen Wochen bekannt geworden war, dass die Arkenberge in Pankow als Mountainbike-Wettkampfstätte vom Tisch sind und stattdessen der Kienbergpark sowie die Gärten der Welt für Olympia in Berlin favorisiert werden, wollten es die beiden Linke-Abgeordneten Kristian Ronneburg und Claudia Engelmann genauer wissen. Sie haben beim Senat den aktuellen Stand der Planungen erfragt. Nach Angaben von Sportstaatssekretärin Franziska Becker fiel die Entscheidung zugunsten des Standorts in Marzahn-Hellersdorf unter anderem wegen der besseren Verkehrsanbindung, vorhandener Besucherstrukturen, bessere Voraussetzungen für die Vorgaben der internationalen Verbände sowie angeblich geringerer Konflikte beim Natur- und Umweltschutz. Die eigentliche Mountainbike-Strecke soll ausschließlich durch den Kienbergpark verlaufen.
Aus sportfachlicher Sicht hält der Senat das Gelände für geeignet. Bereits vorhandene Trails könnten genutzt werden, zusätzlich seien temporäre Elemente wie Sprünge, Schanzen oder ein Steinpark möglich. Auch die Topografie des Kienbergs erfülle die Anforderungen für olympisches Cross-Country-Mountainbiking. Zusätzlich würden sich die breiten Wege entlang des Biesdorf-Marzahner Grenzgrabens und der Wuhle für Start-, Runden-
und Zielbereiche eignen.
Viele Details bleiben allerdings offen – zum Beispiel wie stark die Menschen im Bezirk durch Bauarbeiten, Sperrungen oder zusätzlichen Verkehr belastet würden. Auch das konkrete Streckendesign existiert bislang nicht. Für die Freizeitnutzung verspricht der Senat möglichst geringe Einschränkungen. Geplant seien derzeit zwei Wettkampftage. Während der Vorbereitungen könnte es in den Gärten der Welt allerdings zu Teilschließungen kommen. Der Kienbergpark solle möglichst weiter zugänglich bleiben – Zuschauerinnen und Zuschauer könnten die Wettbewerbe im Idealfall kostenlos verfolgen.
Für den Bezirk ist noch „vieles unklar“
Bezirksbürgermeisterin Nadja Zivkovic reagiert auf die Olympia-Pläne für den Kienberg bislang eher zurückhaltend. „Olympia in Berlin ist grundsätzlich ein großartiger Gedanke, den ich unterstütze“, erklärt die CDU-Politikerin auf Anfrage der „Hellersdorfer“. Gleichzeitig müsse aber sichergestellt werden, „dass die berlinweiten Olympia-Projekte mit unseren bezirklichen Vorhaben in Einklang stehen“. Die Idee einer Mountainbike-Strecke am Kienberg kenne das Bezirksamt bislang „noch nicht ausreichend, um sie beurteilen zu können“. Vieles sei noch unklar, weshalb sie sich derzeit weder dafür noch dagegen positionieren wolle.
Zivkovic macht zugleich deutlich, wo für sie die Prioritäten liegen: Sie begrüße zwar neue Ideen für den Bezirk, lege den Schwerpunkt aber weiterhin auf Projekte, „die wir bereits seit längerer Zeit verfolgen“. Konkret wird sie dabei nicht. Klar ist allerdings: Bezirkliche Vorhaben wie das geplante Kombibad am benachbarten Jelena-Šantić-Friedenspark sollen durch mögliche Olympia-Planungen nicht ausgebremst werden.
Indes denkt der Senat schon an mögliche Nachnutzungen von Infrastruktur, die im Zuge der Olympiaplanungen entstünde. So könnten einzelne Mountainbike-Elemente, Versorgungsstrukturen oder klimaresiliente Aufwertungen dauerhaft am Kienberg erhalten bleiben – vorausgesetzt, Bezirk, die für die Pflege des Kienbergparks zuständige Grün Berlin GmbH und die Menschen vor Ort unterstützen entsprechende Pläne. Andernfalls bliebe es bei der vorgesehenen temporären Umsetzung, so Becker.
Berlin will sich genau wie München, Hamburg und die Rhein-Ruhr-Region um die Austragung der Spiele 2036, 2040 oder 2044 bewerben. Der Deutsche Olympischer Sportbund wird am 26. September entscheiden, mit welchem Bewerber Deutschland letztlich ins Rennen geht.

