Zahl der Wohnungslosen im Bezirk enorm gestiegen

Im „Haus am Niederfeld“ leben 54 Menschen – bezirksweit sind rund 8.000 von Wohnungslosigkeit betroffen

Zahl der Wohnungslosen im Bezirk enorm gestiegen

Das zur Wohnungslosenunterkunft umfunktionierte Hotel „Haus am Niederfeld“ in Kaulsdorf ist in den vergangenen Wochen zum Gesprächsthema geworden. Dabei geht es um weit mehr als eine einzelne Einrichtung im Siedlungsgebiet: Wohnungslosigkeit ist längst auch in den Berliner Außenbezirken ein drängendes Thema. Rund 8.000 Menschen in Marzahn-Hellersdorf sind aktuell davon betroffen – viermal so viele wie noch im Jahr 2020. Darunter sind etwa 1.300 Familien mit mehr als 2.600 Kindern.

In der sogenannten ASOG-Unterkunft „Haus am Niederfeld“ leben derzeit 54 Menschen. Genehmigt sind 59 Plätze. Nach Angaben von Sozialstadträtin Juliane Witt (Linke) handelt es sich überwiegend um Familien und Alleinerziehende, außerdem um ein Paar und zwei alleinstehende Männer. Laut Betreiber wird die Unterkunft rund um die Uhr betreut – mit Heimleitung, Sozialarbeit und Nachtbereitschaft. Zusätzlich ist ein Sicherheitsdienst im Einsatz. Mitarbeitende mit Sprachkenntnissen in Russisch, Ukrainisch und Polnisch gehören ebenfalls zum Team. 

 

Die Unterbringung wohnungsloser Menschen ist keine freiwillige soziale Leistung des Bezirks, sondern eine gesetzliche Pflichtaufgabe. Sie soll verhindern, dass Menschen auf der Straße landen. Ein großer Teil lebt in Geflüchtetenunterkünften, etliche aber auch in ASOG-Einrichtungen wie dem „Haus am Niederfeld“. Gerade die gewerblich betriebenen stehen oft auch in der Kritik – weil private Betreiber mit der Unterbringung erhebliche Summen verdienen und immer wieder Berichte über problematische Zustände in einzelnen Einrichtungen auftauchen. 

 

Betreiber kommt Forderung nach Dialog nach

Auch deshalb interessiert viele Anwohnende in Kaulsdorf nicht nur, wer im „Haus am Niederfeld“ lebt, sondern auch, wie die Menschen dort untergebracht sind. Die Fragen drehten sich in den vergangenen Wochen aber auch um Sicherheit, Müll und das Zusammenleben im Wohngebiet. Nach Angaben des Bezirksamts gibt es derzeit keine Hinweise auf problematische Entwicklungen. Der Allgemeine Ordnungsdienst habe die Umgebung überprüft. Auch zugesagte Informationsaushänge seien vorhanden, berichtet Juliane Witt.

 

Bei einer Informationsveranstaltung Ende März hatte der Unterkunft-Betreiber, Serenia Homes, den Teilnehmenden und der Verwaltungsspitze einen „Tag der offenen Tür“ für die unmittelbare Anwohnerschaft versprochen. Auf der nun für Samstag geplanten Veranstaltung sollen Fragen beantwortet, Teammitglieder vorgestellt und Einblicke in den Alltag der Unterkunft gegeben werden.

 

Kritik an Zeitpunkt und Format

Die direkt gewählte CDU-Abgeordnete für Mahlsdorf und Kaulsdorf, Katharina Günther-Wünsch, begrüßt zwar grundsätzlich, dass der Betreiber der Forderung nachkommt und erneut das Gespräch mit der Nachbarschaft sucht. Zeitpunkt und Rahmen hält sie jedoch für „sehr unglücklich“. „Eine auf zwei Stunden begrenzte Veranstaltung, die nicht zusätzlich öffentlich beworben wird und zudem am Himmelfahrtswochenende stattfindet, erschwert es vielen Anwohnern, dieses Angebot wahrzunehmen“, so Günther-Wünsch. Zudem hätte sie sich einen „echten Tag der offenen Tür“ gewünscht.

 

Auch Bezirksbürgermeisterin Nadja Zivkovic (CDU) sieht die Terminwahl kritisch und hatte dies nach eigenen Angaben gegenüber dem Betreiber deutlich gemacht. „Am Samstag ist die Stadt leer“, merkt sie an. Sozialstadträtin Witt bemängelt, dass das Bezirksamt überhaupt nicht in die Terminfindung einbezogen wurde. Gleichzeitig machen beide deutlich, dass sie sich am Format nicht stören. Ein Nachbarschaftsdialog mit Kaffee und Begegnungen sei passender als ein klassischer Tag der offenen Tür. „Wir hatten nicht erwartet, dass der Betreiber ein großes Fest daraus macht“, sagt Zivkovic. Schließlich lebten dort Menschen in schwierigen Lebenslagen. 

 

Projekt für wohnungslose Alleinerziehende gestartet

Um zumindest einem kleinen Teil der vielen Betroffenen in Marzahn-Hellersdorf gezielt zu helfen, hat der Bezirk nun ein neues Projekt gestartet. Es ist sowohl darauf ausgerichtet, Alleinerziehende schneller in regulären Wohnraum zu vermitteln als auch drohende Wohnungslosigkeit möglichst zu verhindern. Geplant sind Kooperationen mit mindestens zwei Wohnungsbaugesellschaften.

„Jeder kann sich vorstellen, wie schwierig es ist, für ein gesundes Aufwachsen von Kindern zu sorgen, wenn man keine eigene Wohnung hat“, erklärt Familienstadtrat Gordon Lemm (SPD). Besonders Alleinerziehende blieben oft lange in entsprechenden Unterkünften – im Schnitt vier Jahre. „Es ist ein Versuch, diesen erschreckenden Zahlen zumindest etwas entgegenzusetzen.“ Das Budget dafür sei mit 20.000 Euro vergleichsweise klein.