Marzahner Tor will auf einem Parkplatz 96 Wohnungen errichten
Ein neues Hochhaus für die Lea-Grundig-Straße
Die Wohnungsgenossenschaft Marzahner Tor plant an der Lea-Grundig-Straße 12 bis 18 ein neues Hochhaus mit 96 Wohnungen, sozialen Angeboten und Gewerbeflächen. Vergangene Woche wurde das Projekt erstmals öffentlich im Ausschuss für Stadtentwicklung und Wohnen vorgestellt. Baubeginn für das 18-geschossige Punkthochhaus soll im nächsten Jahr sein.
Dass Berlin mehr Wohnungen braucht, ist unstrittig. Weniger eindeutig ist die Frage, wo und wie gebaut werden soll. Gerade größere Neubauprojekte stoßen bei Anwohnerinnen und Anwohnern häufig auf Kritik. In Marzahn setzt die Wohnungsgenossenschaft Marzahner Tor auf Nachverdichtung: Das geplante Hochhaus entsteht auf einer bereits versiegelten Parkplatzfläche im eigenen Bestand. Gebaut wird nicht in die Breite, sondern nach oben.
Die Marzahner Tor eG ist im Bezirk kein unbekannter Akteur. Sie bewirtschaftet nach eigenen Angaben rund 4.600 Wohnungen in Marzahn und ist seit Jahrzehnten im Bezirk aktiv. Von den geplanten 96 neuen Wohnungen werden 49 mit öffentlicher Förderung gebaut. Mit einem Mix aus Zwei- bis fünf Zimmer-Wohnungen richtet sich das Angebot an Singles, Paare und Familien. Über den klassischen Wohnraum hinaus sind im Obergeschoss zwei betreute Seniorenwohngemeinschaften vorgesehen. Außerdem ist in der Erdgeschosszone Platz für fünf Gewerbeeinheiten. Angedacht sind ein Café oder ein Veranstaltungsraum sowie eine Physiotherapiepraxis. Vor der Haustür wird es 163 Stellplätze geben –115 oberirdisch. Die Tiefgaragenplätze sollen für E-Ladeinfrastruktur vorbereitet werden.
Bauvorbescheid längst erteilt
Aber passt das neue Hochhaus überhaupt in den Kiez? Aus Sicht der Planer ja. Grundlage ist auch bei diesem Bauvorhaben Paragraf 34 des Baugesetzbuches. Danach muss sich das Gebäude in die Umgebung einfügen, um genehmigt zu werden. Mit rund 54 Metern Höhe orientiere sich der Neubau an den Bestandshochhäusern rund um den Bürgerpark Marzahn, teilt die Genossenschaft mit. Statt eines langgezogenen Blocks habe man sich bewusst für ein kompaktes Punkthochhaus entschieden. Das soll dafür sorgen, dass umliegende Gebäude weniger verschattet werden und mehr Abstand zur Nachbarbebauung bleibt. Das Fassadenkonzept soll etwas hermachen – mit Backsteinoptik im Sockelbereich, farbigen Akzenten an der Fassade und einem orangener Gestaltungston, der sich als verbindendes Element bis in den Innenraum zieht. Das Bezirksamt hat den Bauvorbescheid im Februar 2024 erteilt. Inzwischen wurde der Totalunternehmer BATEG GmbH mit dem Projekt beauftragt.

Auch beim Klima will das Projekt punkten
Beim Thema Energie und Klimaanpassung setzt die Genossenschaft auf moderne Standards. Geplant ist ein KfW-55-Gebäude mit Fernwärme, ergänzt durch Photovoltaik und eine Luft-Wasser-Wärmepumpe. Außerdem soll das Grundstück nach dem sogenannten Schwammstadt-Prinzip mit Retentionsdächern und Versickerungsflächen gestaltet werden. Das bedeutet konkret: Regenwasser wird vor Ort gespeichert und langsam abgegeben, statt direkt in die Kanalisation zu fließen. Es werden 15 Ersatzpflanzungen für gefällte Bäume vorgenommen und auf 395 Quadratmetern Spiel- und Freizeitflächen angelegt.
Anwohnergrillen geplant
Ein sensibles Thema bei solchen Projekten ist fast immer die Bauphase. Die Genossenschaft kündigt an, den Baustellenverkehr ausschließlich über die Lea-Grundig-Straße führen zu wollen. Angrenzende Wohnstraßen sollen vom Schwerverkehr verschont bleiben. Geplant sind außerdem Lieferzeitfenster, Staubschutzmaßnahmen und Reifenreinigung für Baustellenfahrzeuge. Die Tram-Haltestelle der Linien M8 und M16 sowie die Wege zum Bürgerpark sollen nicht eingeschränkt werden. Ganz ohne Belastung wird es dennoch kaum gehen.
Bei einem Anwohnergrillen Ende Juni wollen Verantwortliche vom Marzahner Tor den Menschen im Kiez die Planungen vorstellen. Ab Juli 2026 soll dann der Bauantrag eingereicht werden. Der eigentliche Hochbau ist für 2027 geplant. Läuft alles wie gedacht, könnten 2029 die ersten Bewohnerinnen und Bewohner einziehen.

