Berlin schwitzt – So rüstet sich Marzahn-Hellersdorf

Eine 24-Stunden-Hotline und mobile Teams sollen dort helfen, wo die Hitze zur akuten Gesundheitsgefahr wird.

Berlin schwitzt – So rüstet sich Marzahn-Hellersdorf

Schwül-heiße Tage, tropische Nächte und Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke – das Wetter an diesem Wochenende wird etlichen Menschen zu schaffen machen. Viel trinken, Schatten suchen, körperliche Anstrengung vermeiden – die üblichen Empfehlungen sind bekannt. Was viele nicht wissen: In Marzahn-Hellersdorf gibt es auch in diesem Sommer konkrete Hilfsangebote für besonders gefährdete Personen. So ist wieder ein Hitzeschutztelefon rund um die Uhr erreichbar. Zudem sind mobile Teams auf den Straßen des Bezirks unterwegs, um Wasser, Sonnencreme und Unterstützung zu Menschen zu bringen, die kein Dach über dem Kopf haben und von Hitze besonders hart betroffen sind.

Das Hitzeschutztelefon wird vom DRK-Kreisverband Berlin-Nordost betreut und richtet sich insbesondere an ältere Menschen, Familien mit kleinen Kindern, Alleinlebende sowie Menschen mit Vorerkrankungen. Unter der Telefonnummer 030 809 33 19 14 erhalten Anruferinnen und Anrufer Tipps zum Verhalten bei Hitze, Informationen zu kühlen Orten und Unterstützungsmöglichkeiten sowie erste Hinweise bei hitzebedingten Beschwerden. 

 

Das Angebot ist kostenlos und bis zum 30. September an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr erreichbar. Es wird inzwischen vom Bezirk aus Eigenmitteln finanziert. Gesundheitsstadtrat Gordon Lemm (SPD) erinnerte in der Juni-Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am Donnerstag noch einmal daran, dass das Land Berlin die Förderung eingestellt hat. Nachdem der Bezirk in den vergangenen Jahren zunächst 100.000 Euro und später noch 50.000 Euro erhalten hatte, flossen in diesem Jahr keine Landesmittel mehr. Während die Bezirke Pankow und Lichtenberg ihre Hitzeschutztelefone deshalb wieder eingestampft hätten, so Lemm, finanziere Marzahn-Hellersdorf das Angebot nun aus dem eigenen Haushalt weiter. 

 

 

 

Wasser, Sonnencreme und Hilfe direkt vor Ort

Auch bei einem zweiten wichtigen Baustein der bezirklichen Strategie gegen die Folgen zunehmender Sommerhitze setzt Marzahn-Hellersdorf auf die Expertise des Roten Kreuzes. Seit Anfang Juni sind DRK-Teams an bekannten Aufenthaltsorten von wohnungs- und obdachlosen Menschen im Bezirk unterwegs, um Wasser, Sonnencreme sowie Kopfbedeckungen zu verteilen. Die Rotkreuzler leisten Erste Hilfe, informieren über Gesundheitsrisiken bei Hitze und vermitteln Betroffene bei Bedarf in bestehende Hilfesysteme. Sie sind montags bis freitags zwischen 12 und 18 Uhr unterwegs. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, sind auch mehrsprachige Einsatzkräfte am Start. Das Projekt läuft bis Ende August.

 

Sozialstadträtin Juliane Witt (Linke) betont, dass der Klimawandel die Lage für Menschen ohne festen Wohnsitz zusätzlich verschärfe. Umso wichtiger sei die Zusammenarbeit mit dem DRK, das die Betroffenen dort erreiche, wo Unterstützung am dringendsten benötigt werde. Dass die Hilfe gebraucht wird, zeigen die Zahlen aus dem vergangenen Sommer: Mehr als 200 Menschen wurden nach Angaben der Organisation im Rahmen der Hitzehilfe erreicht und versorgt. „Hitzeschutz ist längst keine kurzfristige Sommermaßnahme mehr, sondern eine wichtige soziale und gesundheitliche Aufgabe“, sagt Kati Avci, Geschäftsführende Vorständin des DRK-Kreisverbands Berlin-Nordost. Jede präventive Unterstützung könne helfen, schwere medizinische Folgen zu vermeiden und zugleich das Gesundheitssystem zu entlasten.

 

Hitzeschutz „eine soziale Frage“

Passend zur ersten großen Hitzewelle des Jahres stand das Thema auch im Bezirksparlament auf der Tagesordnung. Neben einer Großen Anfrage zur Umsetzung des Hitzeaktionsplans hatte die Linksfraktion einen Antrag auf Sofortmaßnahmen eingebracht. Darin wird gefordert, kühle Orte in den Stadtteilen besser auszuschildern und in allen öffentlichen Einrichtungen wie Bibliotheken, Bürgerämtern, Verwaltungsgebäuden oder Stadtteilzentren kostenlos Trinkwasser bereitzustellen.

 

Eine direkte Entscheidung gab es nicht. Der Antrag muss den Umweg über die Fachausschüsse nehmen. Dabei hatte Linken-Fraktionschef Björn Tielebein eindringlich dafür geworben, das Thema nicht auf die lange Bank zu schieben. Ein identischer Vorstoß war bereits im vergangenen Jahr gescheitert. Hitzeschutz sei keine Frage individuellen Verhaltens, sondern eine soziale Frage, betonte Tielebein. Besonders betroffen seien Menschen, die im Freien arbeiten, etwa für Lieferdienste, oder auch Bewohner kleiner, schlecht isolierter Wohnungen ohne ausreichende Möglichkeiten zur Abkühlung. Die zunehmende Erderwärmung mache lokale Maßnahmen dringend erforderlich, damit Hitze nicht zu einem noch größeren Gesundheitsrisiko werde.

 

Als positives Beispiel nannte der Linken-Politiker die Stadtteilzentren. Sie bieten bereits flächendeckend kostenlos Trinkwasser an. Gleichzeitig kritisierte er, dass es in den Gebäuden der Bezirksverwaltung bislang lediglich einen frei zugänglichen Wasserspender gebe – und zwar im Wartebereich des Sozialamtes in der Riesaer Straße. Den hatte Sozialstadträtin Juliane Witt gemeinsam mit dem Leiter des Sozialamts Guido Filips im vergangenen Sommer eingeweiht.


Eine Übersicht über die Standorte von öffentlichen Trinkbrunnen der Berliner Wasserbetriebe finden Sie hier. Seit diesem Jahr betreut das landeseigene Unternehmen auch die Planschen und Zierbrunnen in Marzahn-Hellersdorf.  Hier geht's zur Karte.