Geld für Schwimmbad mit Außenbecken ist gesichert
Baden auf dem Peaceberg: 2030 soll es losgehen
Noch vier Sommer müssen sich die Menschen in Marzahn-Hellersdorf gedulden, dann soll es endlich wieder legalen Badespaß unter freiem Himmel im Bezirk geben. Anfang 2030 wollen die Berliner Bäder-Betriebe die neue Schwimmhalle mit Außenbecken auf dem Plateau des Jelena-Šantić-Friedensparks eröffnen. 35,4 Millionen Euro stehen dafür inzwischen zur Verfügung.
Am Montag informierten Sportsenatorin Iris Spranger (SPD), Bezirksbürgermeisterin Nadja Zivkovic (CDU) und der Vorstandsvorsitzende der Berliner Bäder-Betriebe, Dr. Johannes Kleinsorg, über den aktuellen Stand. Spranger sprach hinsichtlich der Finanzierung von einem „riesigen Schritt“ für den Bezirk.
Langer Anlauf mit Rückschlägen
Dass das Bad nun auf einem guten Weg scheint, ist das Ergebnis jahrelanger Vor- und parteiübergreifender Zusammenarbeit. Seit der Schließung des Wernerbads im Jahr 2002 ist Marzahn-Hellersdorf der einzige Berliner Bezirk ohne Freibad. Ideen, das zu ändern, gab es viele – vom Elsensee bis zum Tierpark –, doch keine wurde umgesetzt. 2017 startete der Bezirk einen neuen Anlauf für ein Freibad. Es folgten Standortsuche, Machbarkeitsuntersuchungen und politische Debatten, bis sich schließlich der als Peaceberg bekannte Jelena-Šantić-Friedenspark bei der Standortwahl durchsetzte. Aus dem Freibad- wurde eine Multifunktionsbad-Vorhaben, das es 2021 in die Investitionsplanung des Landes und der Berliner Bäder-Betriebe schaffte. Anfang 2025 dann aber der Rückschlag. Aus Sparzwängen entschied der Senat, das Projekt zusammenzuschrumpfen. Zeitweise war nur noch eine Typenschwimmhalle vorgesehen. Der Bezirk ließ sich davon jedoch nicht beirren und trieb das eingeleitete Bebauungsplanverfahren weiter voran. Nun stehen 25,1 Millionen Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt (SIWA) für ein Schwimmbad und weitere 10,3 Millionen Euro aus dem Infrastruktur-Sondervermögen des Bundes für ein Außenbecken zur Verfügung. Die Freigabe dieser Mittel durch den Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses erfolgte Ende Juni.
Bürgermeisterin freut sich auf Freibad-Pommes
Wie Johannes Kleinsorg ausführte, sind unterm Hallendach ein Sportbecken mit sechs 25-Meter-Bahnen sowie ein Lehrschwimm- und Kursbecken (10 x 16,66 Meter) geplant. Draußen soll ein Becken „samt freiförmiger Poollandschaft“ und Liegewiese gestaltet werden. „Ich bin mir ganz sicher, es wird auch Pommes geben“, sagte Bezirksbürgermeisterin Nadja Zivkovic mit einem Augenzwinkern. Johannes Kleinsorg bestätigte, dass auch Gastronomie vorgesehen ist. Innen- und Außenbereich sollen sowohl gemeinsam als auch unabhängig voneinander betrieben werden können.
Gerade im wachsenden Bezirk fehlen seit Jahren Wasserflächen für den Schwimmunterricht und den Vereinssport. Sportsenatorin Iris Spranger verwies auf eine Bestandsanalyse, nach der Marzahn-Hellersdorf berlinweit zu den Bezirken mit der geringsten Wasserfläche pro Einwohner zählt. Auch Kleinsorg betonte, wie wichtig insbesondere Angebote für Kinder seien. Wer früh ans Wasser herangeführt werde, habe deutlich bessere Chancen, sicher schwimmen zu lernen.
Jetzt geht es um die Details
Wie genau das Bad am Ende aussehen wird, steht noch nicht fest. Derzeit läuft eine Machbarkeitsstudie, in der verschiedene Mustervarianten untersucht werden. Dabei geht es laut dem Berliner Bäder-Chef insbesondere um „standortspezifische Besonderheiten“, eine optimale Verbindung von Hallenbad und Außenbereich und die Erschließung des Geländes. Ende August oder Anfang September sollen die Ergebnisse vorliegen. Anschließend will das landeseigene Unternehmen das Detailkonzept fertigstellen und im November dem Aufsichtsrat vorlegen. 2027 könnte dann die Ausschreibung starten. Geplant ist die Vergabe an einen Totalunternehmer, der Planung und Bau aus einer Hand übernimmt, was das Verfahren beschleunigen soll. Welche Richtung die Planung nehmen könnte, deutete Kleinsorg beim Pressetermin mit Visualisierungen verschiedener am Markt tätiger Unternehmen an.
Planungsunterlagen liegen öffentlich aus
Läuft alles wie gedacht, könnte 2028 Baubeginn sein. Mit der Fertigstellung wird aktuell Anfang 2030 gerechnet. Parallel läuft das vom Bezirk vorangetriebene Bebauungsplanverfahren weiter. Es soll die planungsrechtliche Grundlage dafür schaffen, dass das Kombibad am Jelena-Šantić-Friedenspark überhaupt gebaut werden kann. Noch bis zum 17. Juli können Interessierte die Planunterlagen einsehen und Stellungnahmen abgeben. Sie liegen im Stadtentwicklungsamt (Premnitzer Straße 4, 5. Etage, R. 509, Mo–Mi: 8–16 Uhr, Do: 8–18 Uhr, Fr: 8–14 Uhr) und im Bezirksinformationszentrum (Hellersdorfer Straße 159, Mo–Fr: 9–17 Uhr) aus und sind außerdem online über das Beteiligungsportal des Landes Berlin abrufbar.
Naturschutzverbände lehnen den Standort im Jelena-Šantić-Friedenspark wegen befürchteter Eingriffe in Ausgleichsflächen ab. Auch die Linke fordert in einer am Nachmittag veröffentlichten Pressemitteilung, das Bad müsse sich „sensibel in die Umgebung am Kienberg und den Jelena-Šantić-Friedenspark einfügen“. Bezirksbürgermeisterin Nadja Zivkovic betonte hingegen, dass das als Kompensationsfläche für die IGA 2017 definierte Birkenwäldchen von den Planungen unberührt bleibe.


