Marzahn-Hellersdorf ist Berliner Brücken-Brennpunkt

Tagesspiegel gibt Einblick in den aktuellen „Masterplan Brücken“ des Senats

Marzahn-Hellersdorf ist Berliner Brücken-Brennpunkt

Berlins Brückenkrise ist größer als bislang angenommen – und Marzahn-Hellersdorf trifft es besonders hart. Das geht aus dem aktuellen „Masterplan Brücken 2025–2040“ der Senatsverkehrsverwaltung hervor, in den die Zeitung Der Tagesspiegel exklusiv Einblick erhalten hat. Demnach müssen bis 2040 mindestens 175 marode Bauwerke abgerissen und neu errichtet werden. Rechnerisch gelte damit jede sechste der insgesamt 1.047 Berliner Brücken als abrissreif, heißt es in dem am Donnerstag erschienenen Artikel. Die Kosten werden auf rund 1,6 Milliarden Euro beziffert.

Äußerst dramatisch ist die Lage in Marzahn-Hellersdorf. Kein anderer Bezirk weist so viele marode Brücken auf: 46 Bauwerke stehen auf der Liste, wobei einige Projekte, etwa am Marzahner Knoten, inzwischen in der Umsetzung sind. Die 2025 bereits fertiggestellte Südliche Blumberger-Damm-Brücke und die Wuhletalbrücke sind in der Übersicht ebenfalls noch aufgeführt. 

 

Für den Großteil der Vorhaben gibt es allerdings noch nicht einmal konkrete Planungen. Viele der betroffenen Brücken im Bezirk stammen aus den 1980er-Jahren. Sie wurden für eine andere Verkehrswelt gebaut und über Jahrzehnte nicht ausreichend instand gehalten – der Sanierungsstau rächt sich nun. Besonders tückisch ist ein spezielles Materialproblem: In zahlreichen Bauwerken wurde Spannstahl aus Hennigsdorf verbaut, der zu DDR-Zeiten in Ostdeutschland weit verbreitet war. Dieser Stahl ist anfällig für sogenannte Spannungsrisskorrosion und gilt als einer der Faktoren, die beim Einsturz der Carolabrücke in Dresden eine Rolle gespielt haben.

 

 

Die Übersicht enthält längst nicht alle Brückenbauvorhaben im Bezirk. Neben Ersatzbauten stehen auch Erhaltungsmaßnahmen an. Dazu zählen etwa die maroden Brücken an der Bismarcksfelder und Buchenhainer Straße, die im Ortsteil Biesdorf die Wuhle überführen. Sie wurden 1952 errichtet und sollen nun Hauptträger erhalten, die eigentlich für eine Holz-Trogbrücke in einem anderen Bundesland vorgesehen waren, bereits gefertigt wurden, aber aus geometrischen Gründen dort nicht eingesetzt werden konnten. Baubeginn soll 2027, Fertigstellung 2028 sein. Während dieser Zeit werden die Verbindungen über die Wuhle gesperrt. Für den Fuß- und Radverkehr ist eine Umleitung vorgesehen.